Wahrscheinlich ist es das kleinste Gebäude im Schulzentrum Bad Marienberg. Dort steht es seit kurzem zwischen der sogenannten „Kleinen Sporthalle“, der Realschule plus sowie dem „Forum“, das auch als Mensa für hungrige Lernende dient. Das in nur fünf Arbeitstagen aufgestellte Heizhaus von „MANN Naturenergie“ besteht im Prinzip aus zwei aufeinandergestapelten 40-Fuß-Containern, in denen ein Pelletheizkessel sowie ein Brennstofflager untergebracht sind. Sehen kann man davon von außen nichts, eine gefällige Holzfassade sorgt für eine zum natürlichen Brennstoff passende Optik (siehe Kasten unten).

Fügt sich hervorragend in die Umgebung ein: das mit Holz verkleidete Heizhaus.

Insgesamt knapp 2.000 Schüler besuchen im Schulzentrum des staatlich anerkannten Kneipp-Heilbads im Westerwald das Evangelische Gymnasium, die Wolfsteinschule (eine Grundschule), die Michael-Ende-Schule (eine Förderschule) und die Marie-Curie-Realschule plus.

Die neue Anlage fällt neben dem Schulgebäude (links) und dem „Forum“ (rechts) nicht auf. Der mächtige Kamin gehört zur alten Heizung der Schule. Fotos: Schmalenbach

Zu letzterer gehören 750 Schüler, und sie werden es während der neuen Heizperiode genauso warm haben, wie in früheren Schuljahren – allerdings mit einem erheblich besseren CO2-Fußabdruck: Die Wärme für die Klassenzimmer wird dann mit dem neuen Heizhaus von „MANN Naturenergie“ erzeugt. Darin werden Westerwälder Holzpellets verfeuert, die sogar in der Verbandsgemeinde Bad Marienberg hergestellt werden!

Zwei Pufferspeicher sorgen dafür, dass keine Wärme aus dem Pelletfeuer ungenutzt verlorengeht und zugleich stets die benötigte Menge Wasser bereits erwärmt ist, wenn es benötigt wird.

Zwei Rohre von je 75 Millimeter Durchmesser, die für einen bei allen (Zentral-)Heizungen nötigen Vor- und Rücklauf sorgen, verbinden das Heizhaus über eine Distanz von 17 Metern mit der Heizzentrale im Keller der Marie-Curie-Realschule. Durch diese Nahwärmeleitung kommt das heiße Wasser, das in der KWB-Pelletheizung erhitzt wird, unter der Schule in zwei Pufferspeichern an. Diese fassen je 2.000 Liter heißes Wasser, das für die Heizkörper wie für warmes Brauchwasser zur Verfügung steht.

Ursprünglich nutzte MANN die Container als Versuchsstand für einen „Pelletvorsatzbrenner“, ein neuartiges Produkt, das ein Tüftler aus Baden-Württemberg entwickelt hatte und das sehr viel Leistung auf kleinem Bauraum bot. Die Technik jedoch setzte sich nicht durch am Markt.

Müssen wegen des Heizhauses nicht mehr laufen: die alte Öl- und Gasheizung im Keller der Realschule.

„Wir hatten dann diese Container. Und um sie im Sinne der Nachhaltigkeit weiterhin sinnvoll zu nutzen, haben wir sie als ‚Gehäuse‘ für die Pelletheizung umgerüstet und einen Standard-Pelletkessel des Herstellers KWB mit 300 Kilowatt Leitung eingebaut“, erklärt Daniel Rahn, der zuständige MANN-Projektingenieur.

Im oberen Container sowie im rechten Teil des unteren Containers befindet sich nun ein Lager für die Holzpellets, so dass immer ein ausreichend großer Vorrat des Brennstoffs vorhanden ist. Über eine Schnecke mit einem Rührwerk werden die Pellets aus dem Lager in den Brenner im linken Teil des unteren Containers gefördert. Von außen ist davon unterdessen überhaupt nichts zu sehen – man blickt allein auf die Fassadenverkleidung aus Lärche.

Oben befindet sich das Pelletlager, unten der Brenner.

Das Heizhaus stand zuvor an einem nicht weit entfernten Altenheim und bewährte sich dort bereits bei der Erzeugung von Heizwärme. Abermals im Sinne der Nachhaltigkeit wurden die Container danach nicht ausrangiert, sondern komplett überholt, samt der Heizungstechnik im Innern. „Im Prinzip ist das Heizhaus, wie es nun im Schulzentrum steht, technisch auf dem Stand eines neuen“, betont Daniel Rahn.

„Das Projekt hat einen absoluten Vorzeigecharakter in Zeiten des Klimawandels! Wir können hier die regionale Wertschöpfung umweltfreundlich stärken“, sagt Marvin Kraus (CDU). Er ist der Verbandsbürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Marienberg, die Trägerin der Realschule plus und des „Forums“ ist.

Den ersten Kontakt zu „MANN Naturenergie“ bezüglich des Heizhauses hatte noch sein Vorgänger im Amt hergestellt. „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der aus Nebenprodukten der Holzindustrie, zu Pellets gepresst, einfach noch eine tolle Wärme erzeugen kann. Und das möchten wir in der Verbandsgemeinde Bad Marienberg gerne nutzen“, führt der Verwaltungschef aus. Die Motivation dahinter sei, mit einem regionalen Partner ökologisch nachhaltig gemeinsam zu agieren.

Aber Kraus kann einen weiteren Vorteil des im vergangenen Januar vom Rat beschlossenen Projekts (Kraus: „nahezu einstimmig) nennen: „Hier in dem Fall haben wir tatsächlich geringe Investitionskosten“, unterstreicht Kraus. „Wir haben mit MANN ein Modell gefunden, mit dem wir uns prozentual immer unter den ‚fossilen Preisen‘ befinden – immer so zwischen zehn und 20 Prozent. Hätten wir im letzten Jahr schon die Pelletanlage gehabt“, verdeutlicht der Bürgermeister, „hätten wir, auf die 2025er-Preise bezogen, bereits zwischen 10.000 und 15.000 Euro gespart!“ Da Gas und Öl, wie alle fossilen Energieträger, in den nächsten Jahren deutlich teurer werden werden (allein aufgrund veränderter CO2-Bepreisung), erwartet Kraus künftig noch größere Einsparungen.

Verbandsbürgermeister Marvin Kraus (Mitte) und VG-Projektleiter Pascal Wagner (rechts) informieren sich bei Daniel Rahn über technische Details der Anlage in Bad Marienberg.

Die Energiepreise sorgsam im Blick zu behalten, ist schließlich nicht unwichtig für die Verbandsgemeinde: Der Verbrauch im Schulzentrum liegt bei 1,4 Millionen Kilowatt jährlich! „Deswegen bin ich Markus Mann und den Westerwälder Holzpellets sehr dankbar, dass sie diese Idee hatten. Man muss halt auch sagen, wir arbeiten gut zusammen und haben zugleich eine Vorbildfunktion“, fügt Kraus an.

Spannend ist die vertragliche Konstruktion: Das Heizhaus muss die Verbandgemeinde Bad Marienberg nicht kaufen, dafür fällt also keine Investition von Steuermitteln an. MANN besitzt und betreibt das Heizhaus und rechnet im Grunde nur das warme Wasser ab, das die Verbandsgemeinde für ihre Heizanlage benötigt – gemessen über einen Wärmekalorienzähler. Dieses „Contracting“ genannte Verfahren ersetzt eine bestehende und bis jetzt laufende Öl- sowie Gasheizung und vermeidet damit deren CO2-Austoß – ohne, dass die 750 Realschüler im Winter frieren müssten.

Uwe Schmalenbach

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