Noch ist es ein ungewöhnliches Bild: Die Eisenbahn schafft große Mengen Rundholz zum Bahnhof Rosenheimer Lay (siehe „60-mal Rosenheimer Lay und zurück). Empfänger sind die „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW). Mit deren geschäftsführendem Gesellschafter Markus Mann sprach Uwe Schmalenbach über die Herkunft des Rohstoffs.

Auf den Rundholzplatz der WWHW kommen nun mehr Holzarten.

Vor geraumer Zeit haben Sie schon einmal die Anlieferung von Rundholz für Ihre Sägewerke auf dem Schienenweg getestet. Nun ist vor einigen Tagen erneut ein solcher Transport angekommen. Was ist das für ein Zug gewesen?

Dieses Mal haben wir Holz aus Brandenburg gekauft.


Holz aus Brandenburg?

Borkenkäferspuren in einem Rindenstück in einem mittelhessischen Wald: Stürme oder Käferbefall vernichten große Waldgebiete in Europa. Fotos (3): Schmalenbach

Es ist ja so: Als zum Beispiel der Sturm „Lothar“ in Frankreich gewütet hatte (Anm. d. Red.: Dabei sowie dem folgenden Sturm „Martin“ starben in Frankreich im Dezember 1999 140 Menschen und wurden 140 Millionen Kubikmeter Holz verwüstet), da kam über ein Jahr lang das Holz aus Frankreich nach Deutschland. Dafür wurde hierzulande weniger eingeschlagen. Dann hatten wir mal 2007 bei uns „Kyrill“ und so weiter.



Was hat das mit der Holzherkunft jetzt zu tun?

Stürme wirken sich in den verschiedenen Regionen unterschiedlich stark aus. In Regionen, die nicht oder nicht so arg betroffen waren, musste seinerzeit weniger Holz „zwangsweise“ geerntet werden. Man spart dort den Einschlag quasi für später auf. Dort sind die Bäume in der Zwischenzeit dicker geworden, sind seither weiter gewachsen, haben mehr Volumen bekommen. Und jetzt kaufen wir in den Regionen, in denen zuvor weniger eingeschlagen worden ist. In diesem Fall ist es Brandenburg gewesen. Neulich hatten wir einmal Holz aus der Nähe der bayerisch-tschechischen Grenze bekommen, und so wird sich das immer einmal wieder ergeben.



Nach Zahlen des „Johann Heinrich von Thünen-Instituts“, das ist ein Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, wurden 2024 insgesamt 4,1 Millionen Kubikmeter Laub- und Nadelholz nach Deutschland eingeführt, aber 7,5 Millionen Kubikmeter ausgeführt. Haben wir in Deutschland mehr Holz, als wir von diesem Rohstoff selbst benötigen?

Deutschland ist ein „Wald-Land“. In Deutschland wächst mehr zu, als vor Ort gebraucht wird. Kommt dann noch ein Großschadenereignis wie Sturm oder Käferbefall hinzu, geht viel Holz in den Export. In der Spitze ging sehr viel nach China. Das hat uns natürlich wehgetan, dass wir so viel von dem wertvollen Rohstoff, der auf einmal anfiel, nicht selbst verarbeiten konnten, da die Kapazitäten dafür natürlich begrenzt sind; bei den „Westerwälder Holzwerken“ (WWHW) wie in ganz Deutschland.



Warum hebt man Kalamitätsholz nicht auf, bis man wieder Kapazitäten frei hat?

Rundholz ist nicht ewig lagerfähig. Ich kann es nicht endlos liegenlassen, sonst wird es rissig oder fault, deshalb ist das Holz damals in den Export gegangen. Es gibt noch einen Aspekt: Ich komme gerade von einer Fachtagung zurück. Dort hat sich Prof. Dr. Hubert Röder (Anm. d. Red: vom Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit der Technischen Universität München) dafür ausgesprochen, die bei uns vorhandenen Monokulturen im Wald stark zurückzubauen und Mischwälder anzulegen – jedoch nicht erst zu warten, bis der ganze Bestand kaputt ist, wie es im Westerwald und Sauerland schon passiert ist. Dieser Waldumbau erfordert Durchforstung der Altbestände und Unternehmen wie unseres, die etwas aus diesem entnommenen Holz machen. Nebenbei betreiben wir eigentlich zugleich CCS.



Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich der Begriff „Carbon capture and storage“. Was bedeutet das?

Die großen Energiekonzerne wollen das CO2 aus der Luft holen und irgendwo in der Nordsee vor Norwegen verpressen. Das kann man viel einfacher haben, indem man „natürliche CCS-Technik“ nutzt und den entnommenen Baum am besten – langlebig – in einem Holzhaus verwendet. Denn das im Holz gespeicherte CO2 wird so jahrzehntelang festgehalten. Im Wallis in der Schweiz gibt es Holzhäuser, die sind fast 2.000 Jahre alt! In Norwegen haben meine Frau und ich auf einer Reise eine gigantische hölzerne Stabkirche besucht, die war 800 Jahre alt. Das ist doch eigentlich CCS in seiner besten Form.

Eine hölzerne Stabkirche in Norwegen. Foto: monikawl99


Kann man die Bäume nicht einfach im Wald lassen – samt gespeichertem CO2?

Auch in einem naturbelassenen Urwald gibt es irgendwann Verrottung. Und dann hat er sein maximales Volumen an CO2-Bindung erreicht. Also muss man schauen, wo ist das Optimum für CO2-Speicherung im Wald? Wenn ich junge, vitale Wälder habe, vielleicht Nadelbäume, die 40 bis 60 Jahre alt sind und in ihrer besten Phase stehen, habe ich damit auch die beste „CO2-Einfangmöglichkeit“. Wenn man den Wald dahin trimmt, dass man Bäume entnimmt, wenn sie ihr Optimum überschritten haben, so hat man gute Effekte für den Klimaschutz und ebenso wirtschaftlich betrachtet einen Ertrag.



Also werden Sie auch in Zukunft wieder Züge mit Holz solcher Herkünfte bestellen?

Ja. In Frankreich gibt es in Wäldern eine ähnliche Situation, wie wir sie hier bei uns vor vier, fünf Jahren hatten. Das entsprechende Holz werden wir wahrscheinlich mit Binnenschiffen befördern lassen und anschließend auf die Bahn umladen lassen – um den Lkw einfach nicht auf weiten Strecken einsetzen zu müssen, sondern nur noch fürs letzte Stück wie eben von der Rosenheimer Lay bis zu uns auf den Hof. Das ist eigentlich unser Ziel. Wir gehen davon aus, dass wir künftig im Zwei-, Drei-Wochenrhythmus Holz per Bahn kommen lassen.



Ändern sich dadurch auch die Holzarten?

Ja, wir haben zum Beispiel vor kurzem erstmals Ahorn erhalten. Durch eine größere Vielfalt der Holzarten können wir die Bedürfnisse von immer mehr Kunden decken, die für spezielle Anforderungen eben ein Sägewerk suchen, das genau das passende Holz liefern kann.

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