Man muss schon sehr genau hinschauen, um es zu erkennen. Doch bei dem mächtigen Stamm, der in diesem Moment auf der Blockbandsäge der „Westerwälder Holzwerke“ (WWHW) bearbeitet wird, ist zwischen den umherfliegenden Sägespänen eindeutig ein feiner Wassernebel auszumachen! Das habe mit einer neuen Produktkategorie zu tun, klärt der Betriebsleiter des Langenbacher Familienunternehmens auf: Die WWHW haben seit kurzem zusätzlich zu ihren bisherigen Sortimenten den Buchenholzeinschnitt im Programm.
Buchen-Kanthölzer bei den WWHW: Die Buche ist regional verfügbar und es gibt auch einen regionalen Markt dafür. Fotos: Schmalenbach
„Rheinland-Pfalz ist ein ‚buchenstarkes‘ Land. Sie ist hier beheimatet“, sagt Jan-Philipp Alhäuser, „aber es gibt in unserem Bundesland keinen nennenswerten ‚Buchensäger‘ mehr, der größere Mengen dieser Holzart verarbeiten könnte oder möchte.“ Genau das jedoch können dem Betriebsleiter des Sägewerks zufolge nunmehr die WWHW anbieten.
Was Alhäuser ausführt, bestätigt die Statistik von Landesforsten Rheinland-Pfalz: „Die Buche nimmt den höchsten Waldflächenanteil aller Baumarten in Rheinland-Pfalz ein“, heißt es auf der Website der Zentralstelle der Forstverwaltung. „Auch von Natur aus käme die Buche am häufigsten bei uns vor. Sie wächst derzeit auf 23,1 Prozent der Waldfläche. Damit liegt sie vor der Eiche (21,5 Prozent). Danach folgt die Fichte (14,9 Prozent).“
Buche, ein heimisches Material, ein regionales Holz also, das quasi „vor der Haustür“ genutzt werden kann. Hinzu kommt, dass es eine explizite Nachfrage nach Buchenpalettenbrettern gibt, wie sie die WWHW liefern können.
Der Vorteil der Bretter aus Buche sei insbesondere deren gegenüber Nadelholz höhere Festigkeit, erläutert Jan-Philipp Alhäuser. „Manche Kunden bauen Hybridpaletten, also ein Nadelholz und Buche kombiniert.“ Das bringe ihnen eine größere Stabilität. „Andere Kunden wiederum verraten uns auch nicht unbedingt, was sie mit dem Buchenholz genau machen; das ist ja auch legitim. Wir sind nur dazu da, das Material zu liefern“, sagt er.
Ein weiterer Aspekt erhöht die Nachfrage nach Harthölzern wie der Buche: Der Nadelholzmarkt ist momentan recht knapp. Denn der Nadelholzeinschlag fällt in Deutschland vergleichsweise gering aus, es wächst derzeit mehr Wald zu, als an Bäumen entnommen wird. „Das kann man zwar im Hohen Westerwald kaum glauben, da der Borkenkäfer unsere Waldbestände hier zerstört hat. Deutschlandweit betrachtet gibt es diesen Zusammenhang jedoch“, verdeutlicht Alhäuser.
Die Spannungen im Holz haben eine enorme Kraft, wie am linken Stamm zu sehen ist.
Technisch sei Buchenholz dabei allerdings eine Herausforderung – insbesondere, wenn das Rundholz Spannungen aufweist. „Wir haben da viel probiert und viel gelernt im vergangenen Jahr“, berichtet Jan-Philipp Alhäuser, während er auf dem Rundholzplatz des Westerwälder Unternehmens, in dem er tätig ist, zwei Buchenabschnitte zeigt: Der rechte hat eine glatte Schnittfläche. Der linke jedoch sieht wie geviertelt aus, lange Risse durchziehen ihn. Diese entstehen, so schildert der Betriebsleiter, durch Spannungen im Holz, die beispielsweise beim Fällen freiwerden können.
Doch auch wenn man Buchenholz auf der Sägelinie schneidet, werden mitunter eben solche Spannungen freigesetzt, was dazu führt, dass sich das Holz in der Säge bewegt. Das ist einerseits mitunter für die Maßhaltigkeit abträglich. Zudem kann andererseits die freiwerdende Energie sogar die in der Sägelinie eingesetzte Kreissäge beziehungsweise deren Sägeblätter beschädigen!
Die WWHW haben darum in den vergangenen Monaten viel getestet, um trotz der Besonderheit der Buche die Top-Qualität herstellen zu können, für die das Unternehmen im Nadelholzbereich schon eine Weile bekannt ist.
Und dabei kommt der feine Feuchtigkeitsnebel ins Spiel, den man zu Anfang beim Sägen zwischen den Spänen erkennen konnte: Die Blockbandsäge, die Bohlen aus den Buchenstämmen schneidet, und ebenso die in der Sägelinie folgende Kreissäge, die diese Bohlen wiederum in einzelne Bretter zerteilt, werden mit Wasser besprüht, damit Sägespäne gebunden und die Sägeblätter gekühlt werden. „Das ist zwar oft ein subjektives Gefühl, aber die Kollegen, die die Säge bedienen, sagen, so säge sich das Buchenholz besser“, erklärt Jan-Philipp Alhäuser den Sinn des technischen Kniffs.
Das Schnittbild beim Scharfschnitt…
Alhäuser ergänzt, dass es bei der Buche einen weiteren, erheblichen Unterschied zur sonstigen Arbeitsweise der Langenbacher gebe: Nadelholz werde dort vorwiegend im „Scharfschnitt“ gesägt, was im Prinzip bedeutet, dass vom Stamm parallel Bohlen abgeschnitten werden. Anschließend wird der restliche Stamm um 180 Grad gewendet und abermals werden die Platten parallel zur Stammachse abgeschnitten.
…und beim Blockschnitt, mit dem die Buche bearbeitet wird.
Die Buche hingegen werde im „Blockschnitt“ von vier Seiten angeschnitten: Seitlich werden Bretter oder schmale Kanthölzer abgetrennt. Der Stamm wird anschließend jedoch nicht nur einmal, sondern drei- bis viermal gewendet, um wiederholt Seitenware abschneiden zu können.
Diese Vorgehensweise, so der Betriebsleiter, sei nicht allein technisch sinnvoll, um die schwieriger zu sägende Buche bearbeiten zu können, sie erhöhe zudem die Ausbeute. Diese sei dann noch besser als beim Nadelholz, nur ein besonders geringer Anteil des Stammes bleibe auf diese Weise als Sägenebenprodukt für eine andere Nutzung wie die Pelletproduktion übrig. „Das Verfahren wird durch das mehrfache Drehen ein bisschen aufwändiger, denn es erfordert mehr Bearbeitungszeit je Stamm. Doch dafür ist eben die Ausbeute besser“, stellt Alhäuser die Vorteile noch einmal heraus.
Jan-Philipp Alhäuser erzählt, dass das Unternehmen erst lernen musste, wie man Buche perfekt schneidet, um jetzt Top-Qualität auch mit dieser Holzart herstellen zu können.
So ist das Unternehmen jetzt also gut aufgestellt, um die beschriebene Nachfrage nach Buchenholzbrettern befriedigen zu können. Zumal kleine Sägewerke, die Buche vorwiegend für die Möbelindustrie bearbeiten, vielfach nicht die Kapazitäten besitzen, um die beispielsweise bei der Palettenherstellung von der Industrie benötigten Mengen zu liefern – anders als die WWHW.
Dort sei die Aufnahme des Buchenholz‘ ins Programm gleichwohl noch nicht die letzte Weiterentwicklung im Angebot, betont Jan-Philipp Alhäuser: „Generell sind wir auf dem Weg, uns hinsichtlich der Holzarten möglichst breit aufzustellen – und ebenso Douglasie, Ahorn oder Lärche zu verarbeiten. Denn auch solche Holzarten sind auf dem Markt stark gesucht.“